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März 2017

Die Romantikfalle: Paare und Altersvorsorge

Wenn es um das Thema Altersvorsorge geht, setzt bei vielen Frauen der Verdrängungsmechanismus ein. Ans Alter zu denken und sich um Vorsorge zu kümmern, wird als unangenehm empfunden, Assoziationen rund ums Alter sind schlicht unsexy. Dabei geht es bei der Rente immerhin um – statistisch gesehen – 25 Jahre unseres Lebens.

Männer wurden stärker dahingehend erzogen, dass sie für finanzielle Themen verantwortlich sind und richten sich in der Ernährerrolle ein. Deshalb ist es für sie selbstverständlicher, sich um jegliche finanzielle Aspekte zu kümmern. Frauen wurden hingegen bis Ende der 50er Jahre vom „großen“ Geld überwiegend abgeschnitten, sie durften gerade mal das Haushaltsgeld verwalten. Das Thema „Geld“ galt immer als männliche Domäne. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass Frauen mehr Respekt vor finanziellen Angelegenheiten haben. 

Wenn sie einer Erwerbsarbeit nachgehen, nennen Frauen weitaus seltener ein hohes Einkommen als Motivation für die gewählte Tätigkeit, sondern stattdessen beispielsweise die Vereinbarkeit mit familiären Aufgaben. Sobald dann Kinder geboren werden, steigen sie oft zumindest für ein paar Jahre aus dem Beruf aus. In dieser Situation denken viele Frauen dann, es sei emanzipiert, wenn sie sich für ihre Finanzen trotzdem ganz allein verantwortlich fühlen – und setzen ihre Rentenbeiträge aus, da sie sich diese vom knappen Elterngeld nicht mehr leisten können. Gleichzeitig verdient ihr Partner voll weiter, zahlt fleißig in die gesetzliche Rente ein, hat vermutlich auch eine betriebliche Altersvorsorge und nutzt private Angebote des freien Marktes.

Was der Staat als fairen Ausgleich für Mütter vorsieht, kann dagegen vernachlässigt werden. Pro Kind werden der Mutter drei Jahre Rente entsprechend dem aktuellen Durchschnitteinkommen gutgeschrieben. Dies entschädigt jedoch keinesfalls für einen jahrelangen Karriererückschritt aufgrund von Betreuungspflichten. Allerdings gibt es auch neben der staatlichen Rente hinreichend Vorsorgemöglichkeiten. Doch wer schöpft diese aus? In der Regel die Männer. Unterm Strich führt das dazu, dass Frauen durchschnittlich fast 60 % weniger Rente haben als Männer. Anstatt sich selbst darum zu kümmern, betrachtet so manche Frau ihren Ehemann als Altersvorsorge. Schwer nachzuvollziehen bei einer Scheidungsrate von nahezu 50 %. Doch selbst aufgeklärte junge Frauen scheuen sich, das Thema „finanzieller Ausgleich bei Familiengründung“ offen anzusprechen. Hier schnappt die Romantikfalle zu: Würde Frau rechtzeitig zu Beginn der Familienplanung ihre eigene Vorsorge thematisieren, stünde eine potenzielle Trennung im Raum, und das ist so gar nicht mit dem romantischen Ideal der ewigen Liebe vereinbar. Deshalb spricht sie darüber vorsichtshalber nicht. Stattdessen arbeitet sie am Gelingen der Beziehung. Diese weibliche Zurückhaltung hat im Falle einer Scheidung meist einen hohen Preis – für die Ehefrau, selbstverständlich. Zudem gilt seit 2008 ein neues Scheidungsrecht. Dieses besagt, dass Frauen kaum noch nacheheliche finanzielle Ansprüche stellen können.

Wie groß die Rentenlücke für Frau tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von ihrem Beziehungsstatus ab. Verheiratete Frauen profitieren im Falle einer Scheidung immerhin vom Rentensplitting, während unverheiratete bei einer Trennung leer ausgehen. Personen, die Teilzeit arbeiten oder jahrelang aus dem Beruf aussteigen, werden mit ihrer gesetzlichen Rente nicht einmal die Armutsschwelle überschreiten. Deshalb ist eine umfangreiche private Altersvorsorge unverzichtbar. Männer sollten ihre Frauen darin unterstützen, für sich selbst vorzusorgen. Wenn beide Partner einen ähnlich verantwortungsvollen Umgang mit Geld an den Tag legen, könnten sich beide für ihr Arbeitseinkommen und ihre alltäglichen Ausgaben ein gemeinsames Girokonto teilen, von welchem sie die Fixkosten bezahlen – also auch sämtliche Versicherungen und Altersvorsorgeverträge, unabhängig davon, wer was verdient. Eine faire Lösung könnte auch sein, dass er ihre private Altersvorsorge mindestens so lange finanziert, bis sie wieder voll verdient. Schließlich profitiert er durch sein höheres Erwerbseinkommen stärker von der gesetzlichen Rente (bei Selbstständigen sieht es etwas anders aus).

Geht es um die private Vorsorge, dann schreckt die Unübersichtlichkeit des Marktes viele Frauen ab: Welche Vorsorgemaßnahmen machen praktisch Sinn? Die Möglichkeiten auf dem Markt sind sehr vielfältig. Grundsätzlich gilt, dass eine gute Beratung unverzichtbar ist. Im Unterschied zu reinen Verkaufsgesprächen zeigen kompetente Beraterinnen und Berater verschiedene Lösungswege mit allen Vor- und Nachteilen auf. Denn nicht für jede ist ein Produkt gleichermaßen geeignet.

Fazit: Ist die Beziehung noch frisch, sind Paare häufig nicht sensibel für eine gerechte finanzielle Regelung zwischen den Partnern, sonst hätten wir nicht eine so große Rentenlücke zwischen den Geschlechtern. Frauen sind sich zwar oft über ihre unzureichende Altersvorsorge bewusst, ziehen daraus jedoch keine hinreichenden Konsequenzen. Sie sollten ihren eigenen Bedarf wichtiger nehmen und in Form einer umfangreichen Altersvorsorge auch durchsetzen. Der Glaubenssatz „davon verstehe ich nichts“ muss aus den Köpfen der Frauen verschwinden!

Nicola Goerke & Susanne Kazemieh, März 2017


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