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Oktober 2010

Frauen und Geld - ein Kapitel für sich

Für meine Tochter ist die Tatsache, dass ihre Mutter berufstätig und finanziell unabhängig ist, selbstverständlicher als das tägliche Zähneputzen. 

Als meine eigene Mutter 1969 nach fünf Geburten wieder in ihren Beruf zurückkehrte, wusste ich nicht, dass sie dafür die schriftliche Erlaubnis meines Vaters brauchte. Dieses Gesetz wurde in Deutschland erst 1977 gekippt. Kaum vorstellbar ist es heute für uns, dass das Vermögen einer Frau noch bis 1958 bei der Eheschließung automatisch in die Verwaltung des Ehemannes überging. Mit diesem Wissen fällt es jedoch leichter zu verstehen, warum Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld haben als Männer. Wir haben noch nicht so lange Erfahrung mit der Vermögensbildung, denn bis vor gut 50 Jahren durften wir nur den Mangel verwalten, das - meist knapp bemessene - Haushaltsgeld. Dies jedoch haben wir gut gelernt.

Und so ist es nicht verwunderlich, wenn Untersuchungen immer wieder zu dem Schluss kommen, dass Frauen verantwortungsbewusster mit Geld umgehen als Männer. Eine Mär ist allerdings, dass Frauen risikoscheuer seien. Sie sind risikobewusster - ein "kleiner Unterschied". Wenn Männer zocken, dann deshalb, weil sie ihre Kompetenz überschätzen und das Risiko verdrängen. Die Sorgen kommen erst nach dem Investment. Frauen dagegen sorgen (sich) vor(her): Sie sind weniger anfällig für hohe Renditeversprechungen, prüfen genauer und sind sich des eingegangenen Risikos, das jede Chance begleitet, eher bewusst.

Frauen reden nicht so gerne über Geld. "Es schickt sich nicht" - hätte meine Großmutter gesagt. Auch dieses Bild tragen wir offensichtlich noch in unseren Genen. Vermögende Frauen tendieren eher dazu, ihren Wohlstand zu verbergen, Männer tragen ihn eher zur Schau. Geld ist für die meisten Frauen immer noch ein Mangelgut. Es zu erhalten und zu mehren ein Gebot der Verantwortung. Im gesellschaftlichen Konsens gilt eine Frau, die ihre finanzielle Gleichstellung einfordert, noch immer als ziemlich unsexy, erst Recht innerhalb einer Partnerschaft. 

Es ist schon erschreckend, wie viele Frauen auch heute noch auf einen fairen Ausgleich für die Karriere- und Rentelücke verzichten, die durch Kindererziehungszeiten unweigerlich entstehen. "Geld ist mir nicht so wichtig", eine Aussage, die Heiligenscheinverdächtig ist, nur leider meist zielstrebig in die Altersarmut führt. Geld ist verdammt wichtig, denn es bedeutet Unabhängigkeit und stellt eine Form der Wertschätzung dar! Wenn wir heute Altersarmut immer noch als weiblich bezeichnen müssen, dann deshalb, weil Frauen nach wie vor weniger Geld für gleiche Arbeit bekommen und dies nicht zuletzt deshalb, weil sie die bessere Bezahlung nicht konsequent einfordern. Geld ist für Frauen deshalb ein eher schwieriges Kapitel, weil die Beziehung zu Geld traditionell über den Mann lief. Ihre Versorgung mit selbigem war immer verknüpft mit Liebe, Sex und häuslichen Dienstleistungen. Die Zuteilung gewährte er nach Gutdünken. Eine Vertragsgrundlage gab es nicht. Jetzt gilt es zu lernen, dass wir nicht nur de Jure, sondern auch moralisch das Recht auf gleiche Entlohnung haben. 

Spätestens die jüngste Finanzkrise sollte uns vor Augen geführt haben, dass wir dieses Feld nicht Männern überlassen dürfen! Nachdem ich jahrelang auf die Frage danach, ob eine spezielle Finanzberatung für Frauen eigentlich noch zeitgemäß sei, mit dem Nachholbedarf von Frauen argumentiert habe, muss die Frage heute doch eher lauten: Brauchen die Männer nicht eine spezielle Beratung - von Frauen? Wer, wenn nicht wir, könnte sie lehren, verantwortungsbewusst zu investieren? Von wem, wenn nicht von Frauen, könnten sie lernen, was Nachhaltigkeit, Verantwortung für kommende Generationen bedeutet?

Viele Frauen haben ein sehr gutes Gespür für Geld, tragen aber den Glaubenssatz in sich: "Davon verstehe ich nichts". Die Finanzbranche macht sich dies durch gezielte Verklausulierungen zunutze, um genau diese Befürchtung zu bestätigen. Wenn wir die Verwaltung unseres Vermögens aber delegieren, erklären wir uns selbst für unmündig und machen uns abhängig. Und wenn wir nicht in der Lage sind, ein Zertifikat von einem Investmentfonds, einen Fondssparplan von einer Fondspolice, eine Anleihe von einer Aktie zu unterscheiden, sind wir willkommenes Opfer einer Branche, die ihre Skrupellosigkeit stündlich unter Beweis stellt. Wir können nicht nur am gesellschaftlichen Diskurs über ein besseres Finanzsystem teilnehmen, sondern über unser eigenes Anlageverhalten Einfluss darauf nehmen, in welche Projekte unser Geld fließt. Darüber hinaus belegen zahlreiche Studien eindrucksvoll, dass wir die höheren Renditen erzielen - wenn wir denn investieren. Nicht wenn wir sparen.

In diesem Sinne, ran an den Speck!

Susanne Kazemieh, Oktober 2010

 


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